Thursday, September 29, 2016

Editorial zum Themenheft Gender & Diversity im Bibliothekswesen

Das Themenheft "Gender & Diversity" ist als Ausgabe 2 (2016) der VÖB-Mitteilungen erschienen. Hier mein Editorial mit einer Übersicht über alle Beiträge.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

"[u]m Inklusion zu fördern und Diskriminierung zu beseitigen, setzen sich Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte dafür ein, dass das Recht auf Zugang zu Informationen nicht verweigert wird und dass identische Dienstleistungen für jeden zugänglich sind – unabhängig von Alter, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung, körperlichem oder geistigem Vermögen, Geschlechtsidentität, Kulturzugehörigkeit, Bildung, Einkommen, Einwanderungs- oder Asylantragsstatus, Familienstand, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Orientierung. Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte respektieren die sprachlichen Minderheiten eines Landes und ihr Recht auf Zugang zu Informationen in der eigenen Sprache. […] Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte lehnen Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von Alter, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung, physischem oder geistigem Vermögen, Geschlecht, Familienstand, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Orientierung ab".

Diese Passagen aus dem IFLA-Ethikkodex für Bibliothekar_innen und andere im Informationssektor Beschäftigte stecken den Rahmen des vorliegenden Schwerpunktheftes "Gender & Diversity" ab. Das Thema wird aus drei Perspektiven – Bibliotheksmitarbeiter_innen, Bibliotheksnutzer_innen und Bibliotheksbestände – beleuchtet. Der Schwerpunkt umfasst folgende Beiträge und Berichte:

Margit Hauser und Marius Zierold stellen den "Meta-Katalog des I.D.A.-Dachverbandes" vor. Diese neue zentrale Datenbank auf Basis von VuFind ermöglicht einen Einblick in die Bestände von dreißig FrauenLesben-Informationseinrichtungen im deutschen Sprachraum.

Die fast 25 Jahre von "Ariadne" als Fraueninformations- und -dokumentationsstelle an der Österreichischen Nationalbibliothek lässt Lydia Jammernegg in ihrem Beitrag "Ariadne – work in progress. Über die Arbeit der 'frauenspezifischen Information und Dokumentation' an der Österreichischen Nationalbibliothek" Revue passieren.

Drei Beiträge widmen sich dem Thema gerechter Sprache bei der Inhaltserschließung: Jasmin Schenk beschäftigt sich in ihrem Artikel "Konzept Gender Thesaurus: Zur Bedeutung einer gemeinsamen Dokumentationssprache für Forschung und Informationseinrichtungen" mit der Frage, wie man die verschiedenen Schlagwortlisten und Thesauri, die derzeit in Frauen- und Gender-Informationseinrichtungen verwendet werden, in einen gemeinsamen Thesaurus überführen kann. Sandra Sparber reflektiert in "What's the frequency, Kenneth? Eine (queer)feministische Kritik an Sexismen und Rassismen im Schlagwortkatalog" den diskriminierenden Sprachgebrauch in der Gemeinsamen Normdatei und in den Regeln für den Schlagwortkatalog. Rosa Zechner schildert in "Zwischen Anspruch und Möglichkeit. Frauen*solidarität: ein Beispiel aus der Beschlagwortungspraxis" die praktische Anwendung gerechter Sacherschließung in der entwicklungspolitischen Bildungsorganisation Frauen*solidarität.

Drei spezialisierte Informationseinrichtungen werden vorgestellt: Tina Klemsch gibt einen Einblick in die Angebote der "Hörbücherei des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich (BSVÖ)", die Hörbücher verleiht und auch selbst produziert. Andreas Brunner stellt mit dem "Zentrum QWIEN – das Gedächtnis der LGBT-Geschichte Wiens" das einzige für alle zugängliche Archiv zur Lesben-, Schwulen- und Transgeschichte Österreichs vor. Sibylle Zwins führt uns in "Die Bibliothek Denk/Raum Gender and beyond an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW) am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM)".

Katelyn Browne präsentiert das "Women of library history project", in dem die Feminist Task Force der American Library Association bedeutende, berühmte und zu Unrecht vergessene Bibliotheksmitarbeiterinnen ins Rampenlicht rückt.

Albert Weber stellt "Minorities Records", ein neues Weblog zur Digitalisierung des Kulturerbes ethnischer Minderheiten, und ein Digitalisierungsprojekt zu deutschsprachigen jüdischen Zeitungen vor. Außerdem wird über den Aufbau eines Repositoriums für die Geschlechterforschung und das Digitale Deutsche Frauenarchiv berichtet.

Abgerundet wird der Schwerpunkt durch einen Bericht über die Präsentation von "biografiA: Lexikon österreichischer Frauen", der auch die Reden von Edith Stumpf-Fischer, Waltraud Heindl und Ilse Korotin über das Zustandekommen und die Bedeutung dieses Werkes für die feministische Geschichtsschreibung in Österreich beinhaltet.

Auch außerhalb des Themenschwerpunkts haben wir spannende Beiträge in diesem Heft: Johanna Felsner, David Fließer, Valentino Massoglio, Livia Neutsch und Anna Spitta berichten über eine Vorstudie zur "Erschließung der Exilbibliothek" von Charlotte und Karl Bühler, die 2014 an die Universität Wien kam.

Veranstaltungsberichte führen uns zur Tagung "Vernetzte Welten – Digitales Kulturerbe als öffentliches Gut", zur Jahrestagung der internationalen Confederation of Open Access Repositories (COAR), zur WissKom2016 am Forschungszentrum Jülich, zur 3. Informationsveranstaltung des Open Access Netzwerk Austria und zum 6. Treffen der AGMB.at – Forum österreichischer Medizinbibliothekarinnen und -bibliothekare.

Vier KollegInnen haben für uns Bücher rezensiert: Stefan Alker "Autorenbibliotheken. Erschließung, Rekonstruktion, Wissensordnung", Livia Neutsch "Vermittler des Rechts. Juristische Verlage von der Spätaufklärung bis in die frühe Nachkriegszeit", Josef Pauser "Erfolgreich recherchieren Jura" und Klaus Werner Ulrich "Vernetztes Wissen. Online. Die Bibliothek als Management aufgabe. Festschrift für Wolfram Neubauer zum 65. Geburtstag".

Den Abschluss bildet Denksport mit der "Bibliothekarisch-informationswissenschaftlichen Eieruhr" von Otto Oberhauser.

Eine bereichernde Lektüre wünscht Ihnen Monika Bargmann für das Redaktionsteam und die VÖB-Kommission für Genderfragen.

Lehrgang Urbaner Klimaschutz: neuer Durchgang ab November

Wie wirkt sich der Klimawandel in Städten aus? Wie ändert sich das Mobilitätsverhalten im urbanen Bereich? Und wo kann auf Bezirks- und Stadtebene angesetzt werden? Lernen Sie dazu mehr beim Urbanen Klimaschutzlehrgang!

Ort und Zeit

  • Do/ Fr 3./ 4.November, 8-17:30 Uhr
  • Do/ Fr 24./25. November, 8-17:30 Uhr
  • Mo 12. Dezember, 16-18:30 Uhr
1010 Wien, Stubenbastei 5, Festsaal des BMLFUW - Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

Inhalte

Die Inhalte des Lehrgangs beleuchten verstärkt die städtischen Gegebenheiten und Besonderheiten in den Bereichen:
  • Klimawandel allgemein & globaler Klimaschutz
  • Urbanes Grün
  • Ökologisch, soziale Beschaffung und Events
  • Mobilität
  • Urbane Siedlungsentwicklung und Energie
  • Öffentlichkeitsarbeit & Beteiligungsprozesse
  • Förderungen
  • Erarbeitung einer eigenen praktischen Projektarbeit

Fotos: Klimabündnis Österreich / Grüne Bildungswerkstatt

Ziele

Ziel dieses Lehrgangs ist die Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen in den Bereichen Klimawandel und Klimaschutz mit besonderem Augenmerk auf den urbanen Raum. Renommierte ExpertInnen präsentieren wissenschaftliche Grundlagen zum Thema Klimaschutz. Die Handlungsmöglichkeiten im urbanen Klimaschutz werden im Zuge von Exkursionen und abwechselnden Diskussionsformaten vermittelt.
Außerdem steht die Förderung der Motivation und Kreativität der TeilnehmerInnen zur Entwicklung und Umsetzung von Klimaschutzprojekten, -aktivitäten und -maßnahmen im Vordergrund.

Kosten und Förderungen

inkl. Materialien + Kaffeepausen
€ 780,- für Klimabündnis-Gemeinden und Bezirke
€ 880,- (inkl. Ust.) für alle anderen
verschiedene Förderungen je nach Bundesland/Gemeinde möglich.

Kontakt

Mag. Natalie Weiß
natalie.weiss@klimabuendnis.at
Tel.: 01/5815881-23



Monday, September 26, 2016

Themenheft "Gender & Diversity" im Bibliothekswesen erschienen

In den letzten Wochen und Monaten war ich immer wieder mit dem Themenheft "Gender & Diversity" beschäftigt, das als Ausgabe 2 (2016) der VÖB-Mitteilungen erschien. Juhu, nun ist es endlich online! :-D Alle Beiträge abzurufen unter: https://ojs.univie.ac.at/index.php/voebm/issue/view/168. Danke an alle Autor_innen und Reviewer_innen für ihre Mitarbeit und an unseren Layouter Andi Ferus für seine große Unterstützung.

Inhalt

mitSprache 2016. Enquete zur Literaturvermittlung in Österreich

Am 29. und 30. September 2016 findet "mitSprache 2016. Literatur - Ideal & Gesellschaft. Enquete zur Literaturvermittlung in Österreich" im Odeon (1020 Wien, Taborstraße 10) statt. Eintritt frei.

Donnerstag, 29. September 2016

  • 18.00 Uhr Eröffnung: Edith Bernhofer, Tomas Friedmann, Robert Huez. Präsentation der Anthologie "Zwischen Schreiben und Lesen"
  • Podiumsgespräch "Welche Literatur in welcher Gesellschaft?" mit Sandra Csillag, György Dalos, Walter Grond, Margit Schreiner, Jochen Jung, moderiert von Kristina Pfoser

Freitag, 30. September 2016

  • 9.15 Uhr: Begrüßung und Moderation: Ulrike Längle, Regina Pintar
  • 9.30 Uhr: Kulturpolitik, Literaturförderung - mit Daniel Terkl, Michael Wimmer, moderiert von Manfred Müller
  • 10.30 Uhr Literaturvermittlung - mit Manfred Müller, Stephan Porombka, Gesa Schneider, moderiert von Tomas Friedmann
  • 12.00 Uhr Jugend, Bildung, Schule - mit Karin Haller, Andrea Karimé, Erwin Krottenthaler, moderiert von Gabriele Stöger
  • Moderation: Peter Fuschelberger, Barbara Mayer
  • 14.30 Uhr Medien - mit Peter Klein, Michael Pilz, Brigitte Schwens-Harrant, moderiert von Klaus Kastberger
  • 15.30 Uhr Publikum, Rezeption - mit Volker Kirchberg, Doris Moser, Katharina Perschak, Regina Pintar, moderiert von Ursula Ebel
  • 17.00 Uhr Zusammenfassung, Publikumsreaktionen mit Markus Köhle und Mieze Medusa
  • Podiumsgespräch "Literatur im Umbruch / Aufbrüche" mit Bundesminister Thomas Drozda (angefragt), Klaus Kastberger, Doris Moser, Gerhard Ruiss, Margit Schreiner, Daniela Strigl, Michael Wimmer, moderiert von Kristina Pfoser

VeranstalterInnen

mitSprache 2016 veranstaltet von: Literaturhaus Mattersburg, Robert Musil-Institut/Musilhaus Klagenfurt, OÖ. Literaturhaus im StifterHaus Linz, Literaturhaus Salzburg, Literaturhaus Graz, Literaturhaus am Inn, Innsbruck, Franz-Michael-Felder-Archiv, Bregenz, Alte Schmiede, Wien, Literaturhaus Wien, Österreichische Gesellschaft für Literatur, Wien.

Wednesday, August 24, 2016

durchschnittlich Gewichtszunahmen von 5 kg

Ich habe hierblogs schon einmal darüber geschrieben, dass wir derzeit daran arbeiten, das Amtsblatt der Stadt Wien in unsere Digitale Bibliothek zu bringen. Dafür müssen die Digitalisate mit VLM Visual Library strukturiert werden. Ich habe dabei viele Artikel und Bilder abgespeichert. Manchmal sind es die kleinen Notizen, die mir ins Auge gestochen sind. Am 1. September 1948 erschien zum Beispiel dieser Beitrag, der mich sehr berührt hat:

Artikel aus dem Amtsblatt der Stadt Wien: Ein Erholungsheim für Naziopfer

Ein Erholungsheim für Naziopfer

In der Nähe der bekannten Lungenheilstätte Grimmenstein, in Hochegg, befindet sich in landschaftlich schöner und ruhiger Umgebung ein Erholungsheim, das die Stadt Wien von der "Volkssolidarität" übernommen hat. Das Heim, das im Krieg ein Luftwaffenlazarett gewesen ist, beherbergt gegenwärtig rund 70 Männer und Frauen, die lange Zeit im KZ waren und in 850 Meter Höhe bei zureichender Verpflegung die Folgen ihrer schweren Haftzeit überwinden sollen. Die Pfleglinge in Hochegg, die durch den Magistrat ausgewählt werden, erhalten die Verpflegung eines Schwerarbeiters und bekommen außerdem täglich Vollmilch. So sind bei einem dreiwöchigen Kuraufenthalt durchschnittlich Gewichtszunahmen von 5 kg zu verzeichnen.

Bürgermeister Dr. h.c. Körner und Vizebürgermeister Honay besuchten vor kurzem das Heim, um sich über seine Führung und das Wohlbefinden seiner Gäste zu informieren.

Sunday, August 21, 2016

Gender Inclusivity In Special Libraries

Recording of a webinar entitled "Gender Inclusivity in Special Libraries" presented by Travis Wagner, a PhD student in Library and Information Science at the University of South Carolina, sponsored by the South Carolina chapter of the Special Libraries Association (SLA)

Wieder nicht gelesen?

In der Zeitschrift "Cultural Anthropology" ist der interessante Artikel "Why Don't Students Read?" von Angela Jenks erschienen. Wie geht man damit um, wenn Studierende nie die vorgegebene Literatur, die im Präsenzunterricht diskutiert werden sollte, gelesen haben? Viele der genannten Ursachen kenne ich selber - als Studentin sowieso, aber auch als Vortragende an einer Fachhochschule, wo meine KollegInnen mich bei einem Vernetzungstreffen ganz überrascht angeschaut haben, als ich vorgeschlagen habe, unsere Abgabetermine untereinander abzusprechen, damit die berufsbegleitend Studierenden nicht am selben Tag drei Aufgaben abgeben und einem Onlinevortrag lauschen müssen...

Frederick Wallace Kent: Student reading in dorm room at International Center, the University of Iowa, November 1952 (Iowa Digital Library, Flickr, CC-BY-NC)

Ein Absatz gefällt mir aber ganz und gar nicht:

Academic journal articles and monographs are not the only sources of anthropological insights and, frankly, they are not always well written. Can your goals be achieved by assigning news stories, op-ed pieces, memoirs, fiction, or poetry? What about multimedia resources (podcasts, videos, Storify stories, etc.)?

Es spricht sicher einiges dafür, AUCH solche Quellen einzubeziehen - auch um zu zeigen, welche Rolle die Kultur- und Sozialanthropologie (oder jede andere Wissenschaft) im Alltag spielt. Aber ausschließlich, um die Studierenden nicht zu überfordern? Holt sie das nicht spätestens bei der Abschlussarbeit ein oder akzeptieren wir dann wieder eine Arbeit, die nur auf Zeitungsartikeln beruht? Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur erst postgradual? - Was meint Ihr dazu?

Friday, August 19, 2016

Ein kleiner Schritt für mich...

Friday, August 12, 2016

The omnivore's dilemma. Eine Rezension

Ich habe gerade eine Rezension aus dem Jahr 2011 wiedergefunden und stelle sie hier ins Blog - das Buch ist auch fünf Jahre später immer noch lesenswert :-)

"The omnivore's dilemma" (Das Allesfresser-Dilemma) von Michael Pollan ist sicher eines der augenöffnendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe, und das, obwohl er etwas ganz Einfaches beschreibt, nämlich vier Mahlzeiten. Aber er lässt es sich nicht einfach schmecken, sondern macht sich auf, herauszufinden, wo das Essen auf seinem Teller eigentlich herkommt. Die erste Mahlzeit ist ein industriell gefertigtes Fast-Food-Menü. Die Lebensmittel für Essen Nummer 2 und 3 stammen aus biologischer Landwirtschaft – einmal aus dem Biosupermarkt und einmal direkt von kleineren Bauernhöfen. Für Mahlzeit Nummer 4 verwendet Pollan nur Zutaten, die er höchstpersönlich erlegt, gesammelt oder angebaut hat.

Beeindruckend plastisch und lebendig wird der Zusammenhang gezeigt von Agrarpolitik, industrieller Tierhaltung, industriellen "Lebens"-Mitteln, Bodenausbeutung und dem Erdöl, das wir alle – indirekt und zum Großteil wohl unbewusst – für unsere tägliche Nahrung verbrauchen. Pollan gelingt es dabei, die Leserinnen und Leser auf seine Erkenntnisreise mitzunehmen, ohne sie dabei mit dem erhobenen Zeigefinger zu belehren. Und – es ist nicht zuletzt einfach spannend geschrieben.

Ein Satz, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist: "'You are what you eat' is a truism hard to argue with, and yet it is, as a visit to a feedlot suggests, incomplete, for you are also what what you eat eats, too" – "Die Binsenweisheit 'Du bist, was Du isst' trifft es nicht ganz, denn Du bist auch, was das, was Du isst, isst" (S. 86).

Michael Pollan: The omnivore's dilemma. A natural history of four meals. Penguin 2007 (in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Das Omnivoren-Dilemma. Wie sich die Industrie der Lebensmittel bemächtigte und warum Essen so kompliziert wurde", Goldmann 2011)

Thursday, August 04, 2016

Sitzverbot für Juden in der Bibliothek

Die Millionen Toten des Holocaust übersteigen mein geistiges Fassungsvermögen, das kann ich mir gar nicht wirklich vorstellen. Die Schikanen, Grauslichkeiten und Unmenschlichkeit im Alltag, wie in dem folgenden Beispiel aus Berlin dargestellt, schon eher.

Eine Zeitlang durfte er [der Theaterwissenschaftler Max Herrmann, Anm.] noch die Universitätsbibliothek nutzen, dann nur die Staatsbibliothek [...] Von ihr [seiner Schülerin und Assistentin Ruth Mövius, Anm.] wissen wir, daß Max Herrmann den Lesesaal nicht mehr betreten durfte, aber "- eine Sondervergünstigung - noch Bücher ausleihen". [...] Max Herrmann durfte, nachdem ihm auch das Mitnehmen von Büchern verboten worden war, in der Ausleihe einige Bücher einsehen. Am Stehpult. Ruth Mövius, oft an seiner Seite, hat den Weg des mittlerweile halbblinden Gelehrten in die Staatsbibliothek beschrieben, den Fußweg, denn er durfte als Jude keine Verkehrsmittel benutzen. Er ging von der Eislebener Straße 9, wo die Familie zuletzt wohnte, nicht abkürzend durch den Tiergarten, denn Juden durften keine Grünanlagen betreten, sondern auf Umwegen nach Unter den Linden. Ausruhen kam nicht in Frage, weil Träger des gelben Sterns sich nicht auf eine Bank setzen durften. "Und so kam er", berichtet Ruth Mövius, "nach mehr als zweistündigem Weg völlig erschöpft in der Ausleihe an. Ich sehe ihn noch, tief aufatmend, in eines der Ledersofas sinken - wenige Sekunden später kam ein Beamter der Ausleihe auf ihn zu und erklärte dem Fünfundsiebzigjährigen, er möchte aufstehen, als Jude habe er nicht das Recht, irgendwo im Haus der Staatsbibliothek zu sitzen".

Zitat aus: Heinz Knobloch: Der Max-Herrmann-Preis - Erinnerung an einen großen Gelehrten. In: "Biete Weisheit, suche Freunde!" Die Neugründung des Vereins der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin. Berlin 1999 (Veröffentlichungen der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin, 1), S. 22-23


OTFW: Stolperstein Augsburger Str 42 (Charl) Max Herrmann.jpg, Wikimedia, CC-BY-SA 3.0

Der Bibliothekar als Spion

Otmar Lahodynsky berichtet im neuen "profil" unter dem Titel "Aufgedeckt: Der Spion in der SPÖ-Zentrale" von einem Mann, der in der SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße arbeitete - neben seiner eigentlichen Tätigkeit als Bibliothekar fungierte er bis 1988 als Spion für die Geheimdienste Ungarns und der Tschechoslowakei. Der ungarische Historiker Lajos Gecsényi hatte das bei seiner Arbeit im Historischen Archiv des ungarischen Nachrichtendienstes aufgedeckt.

Besonders interessant fand ich, wie ihn seine Kollegen und Vorgesetzten beschrieben, nämlich ein bissi als wandelndes bibliothekarisches Klischee:

  • "fiel nur durch Freundlichkeit auf"
  • "unauffälliger Mensch, der immer freundlich grüßte"
  • "sehr belesen und ein wandelndes Lexikon"
  • "[hauste] alleine in einer mit Büchern zugeräumten Gemeindewohnung"
  • "sein ganzes Interesse galt seinen Büchern und leider auch dem Alkohol".
  • "unauffälliger Lebenswandel"

Tuesday, August 02, 2016

Postgraduales Studium Medizinisches Bibliothekswesen sinnvoll?

rosefirerising: medical library, Flickr, 2009, CC-BY-NC-ND
Gerhard Bissels in Inetbib:

// Medical librarians have developed a large and complex repertoire of methods in the context of EBM. While some large medical libraries provide extensive training and mentoring for newcomers to the profession, other colleagues find it hard to acquire the specialist knowledge they need for their job. So, is there a need for a postgrad programme in 'Medical Librarianship'? If so, what should that include? And how could it be delivered - by distance learning? Or with some residential modules? The Bern conference will have presentations around this issue, then enter into a panel discussion which will also allow the audience to voice their thoughts and ideas. We’ll follow up with an on-line survey, and a themed issue of the Journal of EAHIL in December.

Other topics of the conference include the Swiss national license to the Cochrane Library, systematic searching, and new developments in Open Science. There is also a small exhibition with stalls of the major publishers.

The conference takes place at Bern university on Sep. 9th. For details and to register, please see http://www.samw.ch/de/Aktuell/Agenda.html?p=00. There is no registration fee; coffee/tea and lunch are provided. //

everyone's day has 24 hours

In my life:

Me: I have so much to get done - I need to write a paper and a review, finally decide on the archives' tectonics, clean up the house, weed the garden, make chutney out of the tomatoes - but no time to do it.

Friend: You played FarmVille two hours today, read the newspaper, and watched TV.

Me: Not a second to spare.

Thursday, July 28, 2016

Miss Book World

Friday, July 22, 2016

30 Jahre "Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters"

Von 7. bis 9. September findet an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München die Tagung "Bilderwelten erschließen. 30 Jahre 'Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters'" statt.

//zitat// Seit 30 Jahren beschäftigt sich der "Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters" (KdiH) mit der wissenschaftlichen Erschließung von Text-Bild-Zusammenhängen. 1986 erschien die erste Lieferung des KdiH. Für alle Teilnehmenden an der Tagung ist auch ein Besuch der zeitgleich stattfindenden Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek "Bilderwelten – Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit" geplant.

Walters Art Museum: Illuminated Manuscript, Bible (part), St. Jerome in his study, Walters Manuscript W.805, fol. 1r detail. Flickr, public domain

Literarische Stoffe (im Französischen: matières) können im Mittelalter nicht nur durch ihre Verarbeitung im Text, sondern auch durch ihre Illustration und Übertragung in die Volkssprache neu interpretiert und aufgefasst werden. Bei der Deutung von Texttraditionen spiegeln sich unter anderem aktuelles Wissen, moralische Auslegungen, neueste Reflexionen oder sogar Umdeutungen wider. Dieser Text- und Bilderschließung von literarischen Traditionen im deutschsprachigen Raum sollen sich Vortragende bei der Jubiläumstagung des KdiH widmen. Dabei können langfristig wirkende, ikonographische und literarische Traditionen oder kurzfristig auftauchende Einzelphänomene oder Experimente Gegenstand sein. Die Übertragung von Bildern und deutschsprachigen Texten in den frühen Buchdruck kann ebenso betrachtet werden wie mittelalterliche Text-Bild-Kombinationen, die über das Medium der Handschrift hinaus auf andere Objekte oder Medien verweisen (Kleinplastiken, Kleidung, Wandmalerei, Einblattholzschnitte etc.). Ausgangspunkt der Überlegungen soll jedoch der in Handschriften überlieferte Text – von Gebrauchsliteratur über literarische Stoffe bis zu sakralen Texten – mit seinen möglichen Visualisierungs- und Erschließungsstrategien im deutschsprachigen Kontext bleiben. //zitatende//

Tagungsprogramm (PDF)

Hinweis aus h-germanistik.